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Lese- und Hörproben

Essay: »Jeder ist gleich. Nein, anders. Und will so leben, wie er will!« PDF

Essay: »2060 – Rückblick eines Hundertjährigen« brand eins online

Audio: »Geld«
aus Wir kündigen mp3

Essay: »Der Niederbayer an sich. Was man über ihn wissen sollte« html

Buchkolumne GDI IMPULS,
Ausgabe 4 / 2014

Bücher

 

Cover Peter Felixberger, Wie gerecht ist die Gerechtigkeit?Peter Felixberger/Armin Nassehi
Deutschland. Ein Drehbuch
Sven Murmann Verlagsgesellschaft mbH, Hamburg 2016,
192 Seiten, 20 Euro
ISBN 978-3-946514-17-6

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Pressestimmen:
»Und es ist ein originell gemachtes, schnell gelesenes Buch herausgekommen, mit immer wieder klugen, treffenden Beobachtungen, die ihren Effekt besonders dann haben, wenn Aufregungen und Verschärfungen auf analytische Kühle treffen.«
Johan Schloemann, Süddeutsche Zeitung, 22.9.2016

»Ein in jedem Fall lesenswertes Buch, welches einen genauen Überblick über konkurrierende Positionen innerhalb der Diskurse liefert und anhand aktueller Beispiele zu überzeugen weiß.«
socialnet

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Cover Peter Felixberger, Wie gerecht ist die Gerechtigkeit?Peter Felixberger
Wie gerecht ist die Gerechtigkeit?
Murmann Verlag, Hamburg 2012,
280 Seiten, 18 Euro
ISBN 978-3-86774-175-0


Pressestimmen:
»Felixberger hat in seiner Dissertation nachgezeichnet, wie sich Verteilungs- und Leistungsgerechtigkeit im politischen Streit schon seit Jahrhunderten gegenüberstehen. Dabei vergleicht er Positionen, die sonst selten in einem Atemzug betrachtet werden: Nicht nur der Staatstheoretiker Thomas Hobbes und Kommunismus-Begründer Karl Marx kommen zu Wort, sondern auch Management-Denker Peter Drucker und IBM-Cheftechnologe Gunter Dueck … Das Buch lässt sich mit Gewinn lesen, als kleine Tour durch die großen Gerechtigkeitsthesen.«
Patrick Bernau, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.12.2012

»Unsere Gerechtigkeitsbegriffe ... sind seit Jahrhunderten das zentrale Element im politischen Konflikt zwischen links und rechts, oben und unten. Felixberger geht ihnen auf den Grund; spürt ihrer Eigenlogik nach und ihrer Verortung in den Teilsystemen der Gesellschaft. Das ist keine Fleißübung, sondern eine Vorbereitung: Wenn es demnächst um die Verteilung von Rückgängen geht, wird die Gerechtigkeitsfrage noch einmal neu, und härter, gestellt. Besser, man kennt sich dann aus.«
(Detlef Gürtler, gdi impuls 3.2012)

»Freiheit kommt somit mit Unfreiheit, Selbstbestimmung mit Fremdbestimmung, Herrschen mit Beherrscht-Werden daher. Auf dieses Paradoxon hat Walter Benjamin hingewiesen. Und Peter Felixberger streicht es als Merkmal einer jeden politischen Idee heraus. Ihn bewegt die Frage, warum sich die Debatte um die vielen Gerechtigkeitsbegriffe im Kreise dreht. Und beantwortet sie schließlich damit, dass es wohl müßig sei, ein einheitliches Konzept zu finden. Gerechtigkeit verlange nämlich fallbezogene Lösungen und werde dennoch immer unvollkommen bleiben.«
(Ernst Rommeney, Lesart, Deutschland Radio Kultur)

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Culture Counts CoverPeter Felixberger mit Jack Covert, Todd Sattersten, Wolfgang Hanfstein
Die 100 besten Wirtschaftsbücher aller Zeiten.
Murmann Verlag, Hamburg 2011,
468 Seiten, 24,90 Euro
ISBN 978-3-86774-150-7


Pressestimmen:
Die Autoren haben den Wildwuchs an Büchern gebändigt. Hoher Nutzwert, sehr gut geschrieben.
(Dagmar Deckstein, Süddeutsche Zeitung)

Ein grandioses Vademecum für Manager.
(Handelsblatt)

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Deutschlands nächste Jahre Cover Peter Felixberger
Deutschlands nächste Jahre.
Deutschlands Zukunft: Was bleibt und was sich ändert.
MURMANN Verlag, Hamburg 2009,
240 Seiten, 18 Euro.
ISBN 978-3-86774-071-5


Rüstzeug für Zukunft
Von SZ-Autoren: Peter Felixberger über Deutschlands nächste Jahre
Auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise trafen sich im Berliner Kanzleramt über 50 kluge Köpfe, um einige Monate über die Zukunft des Landes zu debattieren. Der langjährige SZ-Autor Peter Felixberger war ebenfalls bei den Hearings, Workshops und Diskussionen mit Experten, der Kanzlerin und ihren engsten Mitarbeitern zugegen. Er hörte genau zu. Jetzt legt er seine unabhängige Darstellung vor. Inspiriert von den Debatten sucht er Antworten auf die Kardinalfragen: Was wollen wir auf dem Weg in die Zukunft mitnehmen und was lassen wir zurück? Welche Werte und Leitbilder? Welchen Wohlstand und welche Lebensqualität?
Dabei werden Glanz und Elend der Zukunftsaussichten sichtbar. Die Erfolgreichen im Karussell der individualisierten Gesellschaft. Die gesellschaftliche Mitte auf dem schwankenden Schiff der sozialen Marktwirtschaft. Und die Schwachen in den lautlosen Ghettos lebensweltlicher Kränkung. Kurz: Es ist eine unverwechselbare Reise der Chancen und Möglichkeiten, aber auch der drohenden Probleme und Niederlagen. Erfreulicherweise will Felixberger Zukunft nicht voraussagen, sondern das Rüstzeug liefern, um auf sie vorbereitet zu sein. Süddeutsche Zeitung

P. Felixberger: Deutschlands nächste Jahre
Mit Deutschlands nächste Jahre ist Peter Felixberger ein spannendes Buch über Visionen und Szenarien gelungen. Nach der Lektüre kann der Leser zwar nicht weissagen, aber er ist gut gerüstet, um über Leitbilder und Werte in Deutschland mitreden zu können.
Dieses Buch sollten alle 622 Abgeordneten des neuen Bundestages auf dem Schreibtisch liegen haben, schließlich geht es um die Zukunft des Landes, die sie politisch gestalten sollen. Die Bundeskanzlerin hat schon Anfang des Jahres vorgegeben, dass man mehr über Ziele reden müsse: „Auf dem Weg dorthin finden sowieso die tagesüblichen Kämpfe und Scharmützel statt, die uns am Weitblick zu hindern versuchen.” Die Koalitionsverhandlungen waren ein feines Beispiel dafür. Doch die Zukunft ist nicht berechenbar, verläuft nicht linear, sondern eher chaotisch, wie an der Wiedervereinigung und der so plötzlich ausgebrochenen Weltwirtschaftskrise gut abzulesen ist.
Peter Felixberger hat trotzdem den Blick nach vorne gerichtet. Entstanden ist ein spannendes Buch über Visionen und Szenarien, mit deren Hilfe man zwar nicht weissagen, aber gut gerüstet über Leitbilder und Werte diskutieren kann. Felixberger kombiniert in seinem Buch die Diskussionen aus einer Reihe von Hearings von Anfang 2009 im Kanzleramt zum Thema Zukunftsforschung mit seinem Wissen und seiner Einschätzung und schafft damit einen gelungenen Beitrag zur Reduzierung von Komplexität. Besonders interessant ist das Kapitel „Wirtschaft, Arbeit und Bildung”.
Auf der Basis der Impulse der Prognos AG beschreibt Felixberger die Szenarien der Arbeitswelt im Jahr 2030. Der Übergang von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft ist dann längst vollzogen, das neue Stichwort heißt Wissensgesellschaft. Felixberger nennt die künftigen Verlierer und Gewinner des Arbeitslebens: auf der einen Seite Bergbau, Textil- und Bekleidungsbranche, Einzelhandel und öffentlicher Dienst; und auf der Zukunftsseite Steuer- und Unternehmensberater, Ärzte und Sozialarbeiter, Berufe rund um Medien- und Kommunikationstechnologien und in der Forschung. „Im Wissen schlummert das größte Potenzial für die Gesamtwirtschaft”, bilanziert Felixberger. Ein äußerst anregendes Buch – nicht nur für Bundestagsabgeordnete. Handelsblatt

Ein Rucksack für Deutschland
Wichtige Zukunftsfragen sind im Wahlkampf ausgeklammert. Über Leitbilder und Ziele, Bildung und Wohlstand wird nicht geredet. Was müsste unser Land im Gepäck haben?
Selbstbestimmung: Individualisierung ist für viele der höchste Wert, den sie mitnehmen. Die Menschen wollen künftig ein Leben in Eigenregie führen. Institutionen (Regeln und Normen, Verfassung, Strafrecht, Verträge und so weiter) bilden nur noch einen administrativen Rahmen (Gesetze, Steuern, Gesundheitssystem, Wahlen, Sozialstaat). Nicht wenige werden die Individualisierung jedoch als Bedrohung und soziale Zerstörung betrachten. Denn wir leben zunehmend in einer Doppelgesellschaft. Reservate zum Wohnen und Leben für Reiche, Gettos zum Überlebenskampf für Arme. Die kompakte Mitte des industriellen Kapitalismus schmilzt dahin. Stark ist nur noch, wer die Märkte zum eigenen Vorteil auszunutzen oder materielles Erbe abzutragen
Leistung: Jeder Mensch muss fähig sein, leistungsorientiert leben und arbeiten zu können. Leistung bedeutet, Probleme lösen und kreativ sein zu können. Autonom ist erst, wer etwas leistet. Unfrei ist, wer nichts leisten darf und kann. Kreativität und Motivation entscheiden über unsere Wertschöpfung. Die moderne Gehirnforschung hat erbracht, dass Leistungswille und -bereitschaft nicht von außen verordnet werden können, sondern nur aus jedem selbst heraus gebildet werden. Das setzt aber voraus, dass jeder Mensch an der Leistungsgesellschaft teilhaben kann und dafür belohnt wird. Leistung ist ein Menschenrecht und keine Pflicht.
Ungleichheit: In der Arbeitswelt von morgen wird große Ungleichheit herrschen. Es kommt zu einer Zweiteilung der Erwerbstätigen. Kernbelegschaften und Selbstständige, die über Qualifikationen und spezifische Erfahrungen verfügen, sind die Gewinner. Randbelegschaften und Selbstbeschäftigte, die über solide, aber nicht über unverzichtbare Qualifikationen verfügen, sind die Verlierer. Eine neue Gruppe sind die Selbstbeschäftigten, die mit einfachen Dienstleistungen die Netzwerke der Hochqualifizierten unterstützen. Da der Anteil der Deutschen durch den Bevölkerungsrückgang sinkt, wird es überdies auf Zuwanderer und Migranten ankommen. Ohne sie werden wir wirtschaftlich nicht zukunftsfähig sein.
Respekt: Wir eröffnen allen Menschen die Möglichkeit, über die Bedingungen ihrer Abhängigkeit selbst mitzubestimmen. Jeder beschränkt sich, damit andere ihre Autonomie leben können. Jeder ist höchstmöglich bestrebt, die eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Blüte zu bringen. Jeder sorgt sich also um sich selbst, ist aber gleichzeitig bestrebt, den anderen etwas zurückzugeben. Gegenseitige Anerkennung von Bedürfnissen wird zum Leitmotiv menschlichen Zusammenlebens. Eine große Zukunftsfrage lautet deshalb: Wie begegnet der Starke jenen Menschen mit Respekt, die dazu verurteilt sind, schwach zu bleiben?
Kreativität, Innovation: Eine neue Ökonomie entsteht, in der Ideen wichtiger sind als Produkte. In der Kreativwirtschaft schaffen Ideen passgenaue Lösungen für individuelle Bedürfnisse. Wir stecken inmitten des Übergangs von der Industrie- zur Ideenwirtschaft. Das heißt vom Zeitalter der uniformen und standardisierten Massenprodukte in die Ära der individuell angepassten, vielfältigen Warenwelt. Unikat statt Uniform!
Bildung: Die Bildungsrevolution zwischen 1950 und 1980 hat den Anteil der Gymnasiasten und Studenten binnen Kurzem vervielfacht. Der "Fahrstuhleffekt" wirkte materiell und psychologisch als Stütze. Mit dem Übergang in eine kreative und innovative Ökonomie gilt es, Anschluss zu halten und die Menschen weiter zu integrieren. Humane Schule bedeutet, dass der Mensch sich selbstständig verhält und seine Verantwortung sich selbst und der Gemeinschaft gegenüber wahrnimmt. Der selbstgefällige Homo oeconomicus ist auf Dauer nicht überlebensfähig, überlebensfähig sind nur selbstbewusste, urteilsstarke Menschen, die Entscheidungen fällen, Verantwortung übernehmen, Konsequenzen ziehen und zugleich respektvoll und wertschätzend den Blick aufs große Ganze richten. Die eigentlichen Ziele von Schule sind Persönlichkeitsentwicklung und Urteilskraft, also die Fähigkeit, sich auch in schwierigen Kontexten eine Meinung bilden zu können, nicht wankelmütig zu sein.
Wohlstand: Künftig steht materieller Reichtum weniger im Mittelpunkt. Wenn wir allerdings nichts tun, werden seine Bedrohungen: Niedriglöhne, Armut, Unsicherheit und Politikverdrossenheit, uns im Schraubstock halten. Ziel ist die selbstbestimmte Idee, Konzeption und selbstorganisierte Realisierung eines gelingenden Arbeits- und Privatlebens. Das persönliche Wohlergehen emanzipiert sich von der Macht des Geldes. Die Vielfalt, die man dabei entdeckt, geht weit über materiellen Reichtum hinaus. Jeder sollte sein Wohlergehen im Sinne einer Verwirklichung selbst formulierter Ziele aus eigener Kraft anstreben können. Wer arm ist, darf nicht isoliert werden, sondern muss um jeden Preis Zugang zur Arbeitswelt erhalten. Zu spüren, dass man selbst wirksam ist, wird zum höchsten Wohlstandsziel.
Vertrauen: Es ist der Anfang von allem. Ohne eine Vertrauenskultur gibt es keine gegenseitige Verlässlichkeit. Man muss den Menschen vertrauen, etwas zutrauen, um sie selbstverantwortlich Entscheidungen treffen lassen zu können, deren Konsequenzen sie dann aushalten müssen. Das ist die Bedingung von Freiheit. Vertrauen hat viel mit Ehrlichkeit zu tun, diese wiederum hat mit Verlässlichkeit zu tun. Wer sich auf andere verlässt, erwartet Ehrlichkeit in allen Lagen. Auf dieser Basis lässt sich gesellschaftlicher Zusammenhalt oder sozialer Kitt entwickeln. Staat und Politik wird deshalb immer weniger vertraut, die Menschen werden selbst aktiv. Es selbst in die Hand nehmen können, wie man morgen leben will, ist die höchste Zivilisationsform der Menschheitsgeschichte.
Verantwortung: Die aktive Bürgergesellschaft basiert auf der individuellen Freiheit, zu gestalten sowie Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Gegenseitige Hilfe ist der Hauptschlüssel in der investiven Gesellschaft. Die Menschen vertrauen darauf, dass sich jeder fair verhält und dass die Führungskräfte in Politik und Wirtschaft so aufrichtig sind, wie man es von anständigen Menschen erwarten darf. Die Politik sieht sich diesbezüglich als Dienstleister und schafft Räume, in denen sich dafür notwendige Kapazitäten und Fähigkeiten entwickeln können. Sie gibt den Bürgern persönliche Verantwortlichkeit zurück und begeistert sie gleichzeitig für gemeinsame Anliegen. Der Bürger wird zum Citoyen, der die Zukunft seiner Polis gemeinsam mit anderen erneuernd gestaltet. Die Devise: Handle stets so, dass du die Zahl der Möglichkeiten erhöhst. Für dich und die Gesellschaft, in der du lebst!
Geld: Materielle Armut ist das schlimmste Stigma bürgerlicher Selbstvergewisserung. Armut bedeutet aber nicht nur Geldknappheit, sondern besonders auch der Mangel, das tun zu können, was man will. Geld verhindert vielerorts als Illusionsmaschine den Blick auf diese Selbsterkenntnis. Es versperrt den Blick auf die eigenen Wünsche und Bedürfnisse. Es bedarf eines genau austarierten Gleichgewichts zwischen Sinn und Geld. Das Motto: Tu, was du magst, dann bekommst du, was du brauchst! Die Quelle für Freiheit, Glück, Sicherheit oder Unabhängigkeit sind und bleiben die Menschen selbst. Sie selbst sind das Tauschmittel. Sie bestimmen über ihr Leben. Mit viel und weniger Geld. Hier beginnt die Zukunft. Ein Grundeinkommen für alle bleibt unverzichtbar. Die Welt

Rezension Süddeutsche Zeitung
Rezension Handelsblatt
Essay »Ein Rucksack für Deutschland« von Peter Felixberger Die Welt

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Culture Counts CoverPeter Felixberger / Michael Gleich (Hg.)
Culture Counts.
Wie wir die Chancen kultureller Vielfalt nutzen.

Econ Verlag , Berlin 2009,
224 Seiten, 19,90 Euro
ISBN 978-3-430-20066-0


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Wolf Lotter CoverWolf Lotter
Die kreative Revolution.
Was kommt nach dem Industriekapitalismus?

MURMANN Verlag, Hamburg 2009,
184 Seiten, 18 Euro.
ISBN 978-3-86774-062-3


Die Macht der guten Ideen
Früher war Kreativität die Domäne von Künstlern, heute gilt sie als Hoffnungsträger der Ökonomen. So vermessen offizielle Kommissionen bereits das wirtschaftliche Potential von Kultur- und Kreativwirtschaft. Städte buhlen um die Gunst der „kreativen Klasse”. Studien rechnen vor, dass die Wirtschaftskraft der „Creative Industries” bereits zwischen der der Automobilbranche und der chemischen Industrie rangiere. Spätestens seit die EU-Kommission das Jahr 2009 zum europäischen Jahr der Kreativität und Innovation gekürt hat, dämmert es auch Skeptikern, dass in der Kreativität die wirtschaftliche Zukunft der Industriegesellschaft liegt.
Da scheint es zu passen, dass ein Buch auf den Markt kommt, das den Titel Die kreative Revolution trägt. Doch weit gefehlt. Wolf Lotter, Redakteur des Wirtschaftsmagazins Brand eins, stimmt nicht ein in das allgemeine Halleluja. Lotter betont den Unterschied: Kreativität ist nicht der Rettungsanker des Industrialismus. Aber sie ist der Treiber für eine grundlegende Änderung der Ökonomie. Tatsächlich „geht es um eine Machtauseinandersetzung zwischen zwei nicht kompatiblen Organisationsstrukturen: industriekapitalistisch die eine, wissensbasiert die andere”.
Das ist der Grundgedanke des Buches. In neun Kapiteln und unterstützt von sieben Vertretern der Kreativitätswirtschaft und -forschung beschreibt Lotter die Transformation, in der wir stecken. Dass daraus kein konsistentes, in sich geschlossenes Bild entsteht, hat der Autor wohl beabsichtigt. Das Konzept geht auf, und das Ergebnis ist zu loben: Wer verstehen will, worum es in der Ideenwirtschaft geht, der muss dieses Buch lesen. Man findet Grundlegendes zum Wandel der Wirtschaft und eine Fülle von Einsichten in das Wesen von Ideen und in den schwierigen Prozess ihrer Gewinnung. Denn es geht vor allen um Ideen. „Kreative Tätigkeit ist ihrem Wesen nach Ideenarbeit”, schreibt Lotter. Das unterscheidet sie fundamental von der industriellen Ökonomie. Industrieproduktion ist im Kern serielle Produktion. Ihr Charakter besteht in der Reproduktion des Immergleichen. Ideen sind Unikate.
In diesem grundlegenden Unterschied, so die These Lotters, steckt der Schlüssel zum Verständnis des Wandels zu einer irgendwie um das Immaterielle kreisenden neuen Form von Ökonomie. Lotter nennt sie die „Ideenwirtschaft”. Das ist präziser als die Begriffe Dienstleistungs-, Informations- oder Wissensökonomie, die das spezifisch Neue der neuen Wirtschaftsweise nicht zu benennen vermögen. Mit der Ideenwirtschaft ist es anders. In ihr ist die Idee der schöpferischen Zerstörung des Ökonomen Joseph Schumpeter inbegriffen. Da man eine Idee nicht zweimal haben kann, ist eine Wirtschaft, die auf Ideen baut, dazu gezwungen, immer weiter voranzuschreiten und ständig Neues zu generieren.
Kreativität meint also nicht den von US-Wissenschaftler Richard Florida propagierten Aufstieg einer „kreativen Klasse”. Es geht um die Wirtschaft als Ganzes, nicht um einen kreativen Sektor. Heute strebt die industrielle Produktion stärker zu individualisierten Produkten und Dienstleistungen hin. Das Ziel: „Bedürfnisse exakt, genau, präzise zu erfüllen”, so Lotter. Genau das leistet die Ideenwirtschaft: Sie produziert solche passgenauen Ideen. Sie „verfeinert permanent und verbindet industrielle Produkte und Ideen mit individuellen, detaillierten und unverwechselbaren Bedürfnissen”. Das ist nicht mehr industrielle Produktion, wie wir sie kennen. Das ist eine andere Logik: Ideen sind wichtiger als Produkte. In einem sind sich Lotter und Florida einig: Kreativität braucht Toleranz. Eine offene Gesellschaft ist die Voraussetzung dafür, dass Wirtschaft gedeihen kann. Winfried Kretschmer, Süddeutsche Zeitung.

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Wir kündigen! CoverDagmar Deckstein / Peter Felixberger /
Michael Gleich / Wolf Lotter
Wir kündigen!
Und definieren das Land neu.

Carl Hanser Verlag, München / Wien 2005,
192 Seiten, 19,90 Euro
ISBN 3-446-40048-6


Aufgerüttelt
Zur Frankfurter Buchmesse – Bücher zum Thema Politik und Wirtschaft

Die politische Situation Deutschlands ist allemal verfahren, die wirtschaftliche Lage zumindest schwierig. Die große Koalition formiert sich, und alles riecht erst einmal nach Stillstand. Die Reformbereitschaft der Bevölkerung mag im allgemeinen zwar gering sein, wie sich in den Bundestagswahlen gezeigt hat, die Unzufriedenheit jedoch ist ebenso deutlich. Das zeigt sich auch im Tenor der zunehmend auf den Markt kommenden populärwissenschaftlichen Bücher, deren Verfasser sich mit wirtschaftspolitischen Fragen auseinandersetzen: So wie bisher könne es nun wirklich nicht mehr weitergehen, heißt es allenthalben. Es wird kräftig aufgerüttelt. Auffällig dabei ist, daß die Verlage für ihre Sachbücher zunehmend auf Journalisten als Autoren zurückgreifen. Schließlich bringen diese zumeist eine flüssige Schreibe mit, die auch sperrige Sachverhalte in leichtverdauliche Gedankenhäppchen kleinschnipselt.
In der Misere Mut machen will beispielsweise ein Autorenteam um die Journalistin Dagmar Deckstein (Süddeutsche Zeitung). Das Buch mit dem energisch auftrumpfenden Titel Wir kündigen! ist politisch unkorrekt. Es wendet sich gegen Angstmacher und Ängstliche, gegen Wehklager und Wehklagen-Genießende, gegen Bedenkenträger und Zauderer, gegen Kollektivisten und Kollektivierte, gegen Begriffsverwirrer und Verwirrte, gegen Sprücheklopfer und Hohlköpfe, gegen die Bequemen, Verhinderer, Nörgler, Ökofanatiker, Kassandras. Die vier Autoren schüren Zukunftshoffnung statt Zukunftsangst. Sie erkennen Chancen, wo andere nur Risiken sehen. Sie verachten den deutschen Feuilletonismus, „wo er in Schwermut macht und sich mit Vorliebe an Alarmismus und Apokalypse delektiert”. Sie wollen „sagen, was Sache ist, provozieren, um Denken anzuregen, anprangern, was verdummt”. Sie „vertrauen auf Selbstorganisation, schätzen das Vitale von Vielfalt". Sie wollen „mehr Selbstverwirklichung, mehr Möglichkeitsräume, mehr wilde Freiheit”. Sie kümmert nicht, was sich Bürger als politisch korrekt aufnötigen lassen, sondern sie gehen dagegen an – vehement, wortstark, erfrischend. Die dreißig Einzelbeiträge sind Schlüsselbegriffen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft gewidmet, darunter Arbeit, Bildung, Fortschritt, Freiheit, Geld, Leistung, Mobilität, Nachhaltigkeit, Risiko, Wachstum, Werte, Wohlstand und Zukunft. Alle richten sich gegen „Stagnation und Müdigkeit, Reformhuberei und Wortfälschung”, plädieren für den „Aufbruch in eine bessere Gesellschaft”, sind bemüht um Stimmungsumschwung und durchzogen von Freiheitsdrang. Dargeboten wird alles leicht lesbar – allerdings auch derart dahingeplaudert, daß es auf Dauer ein wenig ermüdet. Politiker, die es nötig hätten, erreichen und überzeugen die vier Mutmacher wohl kaum, aber Gleichgesinnte werden sich bestärkt fühlen. Frankfurter Allgemeine Zeitung

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Arbeit neu denken CoverPeter Felixberger / Dagmar Deckstein
Arbeit neu denken.
Wie wir die Chancen der New Economy nutzen können.

Campus Verlag, Frankfurt / New York 2000,
222 Seiten, 49,80 DM.
ISBN 3-539-36561-8




Keine Ruhe, nirgends
Die Bedeutung der New Economy für die Wirtschaft ist umstritten, ihre Wirkung aber täglich spürbar: noch mehr Tempo. mm stellt Bücher vor, die das tatsächliche Potenzial des Internet-Geschäfts erklären und einordnen. Jeder führt den Begriff im Munde, und keiner weiß genau, was sich dahinter verbirgt: New Economy. Dagmar Deckstein und Peter Felixberger, beide schreiben für die Süddeutsche Zeitung, haben sich in den USA umgesehen und gründlich nachgedacht. Ihr Befund ist eindeutig: „New Economy bedeutet einen fundamentalen Wandel in Gesellschaft und Wirtschaft.” Diesen Wandel beschreiben Autorin und Autor grundlegend und gut, das ist ihr Handwerk. Aber sie beschreiben ihn auch begeistert, der New-Economy-Spirit scheint sie ergriffen zu haben: „Keine Ruhe. Nirgends.” Weltumspannende produktive Unruhe ist eines der treibenden Momente der Neuen Wirtschaft: Aktuelle Informationen, neues Wissen und investitionsbereites Kapital werden heute in einer Geschwindigkeit um den Globus gejagt, die früher unvorstellbar war.
Und welche Rolle spielen wir Deutschen in der Netzökonomie? Eigentlich verfügt das Land über die besten Voraussetzungen für die Hauptrolle: ein hohes Ausbildungsniveau, eine exzellente technische Infrastruktur und wachsendes Venture-Kapital. Dennoch kommt unsere Jagdlust nicht recht zur Entfaltung. Kundenfeindlichkeit und autoritäre Führungstraditionen, Wir-Denken und Konservatismus stehen der Herausbildung kreativer Felder entgegen. Was also tun, um die Verbindung von neuem Arbeiten und neuem Kommunizieren und Konsumieren zu fördern? Den dringendsten Reformbedarf sehen die Verfasser im Bildungssystem, bei den Gewerkschaften, bei den Parteien und – hoppla – bei den Männern: Freie Bahn für den Wirtschaftsfaktor Weib! Ob wir das können oder gar wollen?
Fazit: Wer die Neue Wirtschaft verstehen will, sollte dieses Buch lesen. Eine spaßige, eingängige und spannende Lektüre. Manager Magazin

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Lernwelten CoverPeter Felixberger (Hg.)
Aufbruch in neue Lernwelten.
Passagen Verlag, Wien 1994,
182 Seiten, 21 Euro.
ISBN 978-3-85165118-8




Lumpensammler und Sprachspielaffen
Ein Sammelband dokumentiert den Aufbruch in Neue Lernwelten
Haben Sie Lust, an Ihrer Zukunft herumzubasteln, und wissen nur nicht genau, an welchen Bastelladen Sie sich wenden sollen? Peter Felixberger hat sich für Sie auf die Suche gemacht und stellt Ihnen 12 geistige Werkstätten vor. Lehrmeister, die alles besser wissen, treffen Sie dabei nicht, wohl aber Bastler, Lumpensammler und Sprachspielaffen, die flexibel ihr Überleben in der Informationsgesellschaft organisieren. Den Leser erwarten Texte mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Die Skala reicht vom Geplauder des Psychologen Paul Watzlawick über Jakob von Uexkülls Forderung nach einem Völkerrat zur Rettung der Natur zum quasi-wissenschaftlichen Fremdwort-Rap des Musikjournalisten Diedrich Diederichsen.
Wie ein Bastler, der neugierig nach Materialien für ein Werkstück sucht, muß der Leser mit den Texten umgehen und sich das heraussuchen, was ihm überhaupt das Kunststück ermöglicht, in einer Welt mit unsicheren Werten zu überleben. Nach den Vorstellungen von Arnim Müller und Christina von Braun ist es für den zukünftigen Europäer notwendig, sich vom Autoritätsglauben und dem Streben nach Vollkommenheit freizumachen. Der Weg steht denen offen, die sich dem Fremden, der Infragestellung der eignen Person nicht verschließen.
Eine systematische Annäherung an erkenntnistheoretische Probleme, die mit den Medien entstehen, bietet die Aufsatzsammlung nicht, statt dessen stellt sie Umgangsweisen mit der Medienentwicklung vor. Während sich Stanislav Grof über die neuen Realitäten des „holographischen Fernsehens” freut, äußert Klaus Bartels Skepsis gegenüber den Freizeitangeboten aus der Computerindustrie: „Wer den Datenanzug überstreift, der taucht nicht nur ab in einen eindimensionalen Datenraum, der testet vielmehr unwissentlich die Prototypen uteriner Särge. Und die Höhle, in die sich die Besucher der Chicagoer Computergraphikshow ‚Siggraph 92’ drängelten, um die Wunder digitaler Scheinwelten zu genießen, war in Wirklichkeit ein virtuelles Massengrab.” Bartels setzt dem die abendländische Geschichte entgegen und eröffnet dem Leser die virtuellen Räume der antiken Rhetorik. Er zeigt, daß antike Redner eine ausgefeilte Technik, die sogenannte Mnemotechnik, besaßen, um ihre Rede im Gedächtnis zu speichern und zur gegebenen Zeit abzurufen. Und zwar stellten sie ihre Gedanken in geistigen Räumen ab, die sie während der Rede durchwandern konnten. Der Rückgriff auf die Architektur und räumliche Metaphern zur Organisation von Daten besitzt eine Wirkungsgeschichte, die Bartels bis zu heutigen Computersystemen nachzeichnet. Bartels historischer Siebenmeilenschritt führt zu dem Schriftsteller Oswald Wiener. Dieser „nahm 1969 in dichterischer Freiheit die Wahrheit über den postmodernen Mnemismus vorweg. Der Bio-Adapter gleicht äußerlich einem hochgezüchteten Uterus, ist funktionell aber eher als Retro-Uterus anzusehen. Er nimmt nämlich die Geburt zurück und baut den angeschlossenen Menschenkörper sukzessive ab … Der uterusförmige ,glücksanzug’ (Wiener) ist ein Sarg, aus dem eine Gattung unsterblicher Lebewesen wiederauferstehen wird, die Mind Children.”

Sehnsucht nach der Höhle
Damit die Städte der Zukunft nicht wie Massengräber aussehen, fordert Christian W. Thomson : „Das Haus der Zukunft muß man sich intelligibel vorstellen. Es wird Wände, Klimaanlagen und Fenster besitzen, die vom Computer gesteuert werden: Und wenn unsere Häuser einmal zu intelligent werden sollten, so bemerkt schon Flusser, dann sollten wir sie dümmer machen. Die Sehnsucht nach der erd- und grasbedeckten Höhle, nach der simplen Holzhütte, in der wir uns körperlich und nicht immateriell begegnen, wird wachsen. Doch eines, hoffentlich noch fernen Tages, mag dies der größtmögliche Luxus sein.”
Für ein Leben ohne Luxus, dafür aber voller Spannung steht der „signifying monkey” ein, den Diedrich Diederichsen beschreibt. Die Ausdrucksform des Sprachspielaffen ist der Sprechgesang, in dem er frotzelnd zwischen der Sprache des Establishments und des schwarzen Ghettos pendelt. Um die bestehende Spannung auszuhalten, behandelt der „signifying monkey” Wortanordnungen wie eine Maschine. Je nachdem, mit wem er spricht und über wen er sich lustig machen möchte, dreht der „monkey” an den Worten und ordnet sie in den Zeichenstrom ein. Er ist ein flexibler Datenverarbeiter, der gut zu den Arbeitslosen in der dänischen Stadt Arhus paßt. Dort bildet man Chaospiloten aus. Das sind „kulturelle Anstifter”, die lernen, auch unter chaotischen Verhältnissen, Projekte durchzuführen und die sich später als alternative Manager im Kulturbetrieb nicht von finanziellen und institutionellen Schwierigkeiten entmutigen lassen.
Wem diese Lernwelten zu unsicher erscheinen, der mag sich an den Konstruktivisten Ernst von Glasersfeld wenden. Er tritt für Verantwortungsbewußtsein ein: „Der Konstruktivismus selbst ist nichts Neues. Er ist eine Zusammenstellung von Ideen, die zumindest im Lauf der europäischen Geistesgeschichte am Rande liegengeblieben sind. Als Lumpensammler habe ich einige davon aufgehoben und zusammengeführt. Diese Zusammenstellung ist vielleicht neu, aber das spielt gar keine Rolle. Der Witz besteht in der Notwendigkeit des konstruktivistischen Denkens, weil jeder Konstruktivist in seinem Denken erfahren hat, daß er dafür verantwortlich ist. Jedes Denken bringt Handlungen hervor, für die man selbst verantwortlich ist.” Süddeutsche Zeitung

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Networking im Beruf CoverPeter Felixberger
Networking im Beruf.
Jobbörsen, Stellenportale, Karrierenetzwerke.

Carl Hanser Verlag, München / Wien 2001.
ISBN 978-344-621740-9






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